Warum läuft der Abfluss bei Starkregen über? Häufige Ursachen in der Regenentwässerung und was Sie tun können
Wenn der Ablauf im Hof, an der Terrasse oder im Keller nur bei kräftigem Regen überläuft, steckt meist eine Kombination aus hoher Wassermenge und einer verdeckten Engstelle dahinter. Mit einer systematischen Prüfung entlang der Dach- und Grundstücksentwässerung finden Sie die Ursache und vermeiden Folgeschäden wie Feuchtigkeit, Gerüche oder Rückstau.
Warum das Problem nur bei Regen sichtbar wird
Im Alltag fließen nur geringe Wassermengen über Innenleitungen ab. Bei Starkregen kommt jedoch schlagartig deutlich mehr Wasser zusammen: Dachflächen, Rinnen, Hofabläufe und ggf. Drainagen leiten gleichzeitig ab. Kleine Ablagerungen, ein minimaler Versatz in der Leitung oder ein teilweiser Einwuchs bleiben dann lange unbemerkt – bis die hydraulische Belastung hoch genug ist und das Wasser den „leichtesten Weg“ nimmt: nach oben.
Zusätzlich kann der öffentliche Kanal bei Starkregen an seine Kapazitätsgrenzen geraten. Dann steigt der Wasserspiegel in der Regenwasserleitung und es kommt zu Rückstau – besonders kritisch, wenn Abläufe unterhalb der Rückstauebene liegen oder Rückstausicherungen fehlen bzw. nicht gewartet sind.
Typische Ursachen entlang der Dach- und Grundstücksentwässerung
1) Dachrinne und Einläufe: Laub, Moos, Dachkies oder Vogelnester reduzieren den Querschnitt. Das Wasser schießt bei Starkregen über die Rinne hinweg und gelangt unkontrolliert an Fassaden oder in Lichtschächte. Prüfen Sie Rinnengefälle, Einhanghöhe und ob Einlaufkästen frei sind.
2) Fallrohr und Übergänge: Häufig sitzt die Engstelle im Übergang von der Rinne ins Rohr, an Bögen oder in der Revisionsöffnung. Gerade nach Herbst und Winter sind Laubpfropfen und feiner Schlamm typisch. In vielen Fällen reicht eine gezielte Wartung – Fallrohr reinigen ist dann der schnellste Hebel, bevor Sie tiefer in die Grundleitung gehen.
3) Hofabläufe, Roste und Geruchsverschlüsse: Wenn der Hofgully voll Sand steht oder der Geruchsverschluss verschlammt ist, staut sich das Wasser schon auf der Fläche. Achten Sie auch auf beschädigte Roste: Sie begünstigen, dass Schmutz in die Leitung gelangt.
4) Grundleitung/Regenwasserleitung: Setzungen, fehlendes Gefälle, Wurzeleinwuchs oder Ablagerungen (z. B. Sand aus Pflasterfugen) führen zu Teilverstopfungen. Bei Starkregen bildet sich dann ein „Staupolster“, das sich an tieferliegenden Einläufen bemerkbar macht.
5) Fehlanschlüsse und Mischentwässerung: Manchmal ist Regenwasser an eine Leitung angeschlossen, die dafür nicht dimensioniert ist – etwa eine Schmutzwasserleitung ohne ausreichende Reserve. Umgekehrt können falsche Anschlüsse dazu führen, dass bei Starkregen Wasser an Stellen auftaucht, die scheinbar nichts damit zu tun haben.
6) Rückstau aus dem Kanal: Wenn der Kanal überlastet ist, drückt Wasser zurück. Typische Hinweise: Gluckern, steigender Pegel im Revisionsschacht oder mehrere betroffene Abläufe gleichzeitig. In solchen Fällen helfen Wartung und Technik (z. B. geeignete Rückstausicherungen) oft mehr als reines „Freimachen“.
Standards & Norms
Für Planung, Ausführung und Betrieb von Entwässerungsanlagen werden in der Praxis häufig u. a. folgende Regelwerke herangezogen (Hinweis: allgemeine Information, keine Rechtsberatung):
- DIN EN 12056 (Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden): Grundprinzipien zu Bemessung, Belüftung und Schutz vor Rückstau.
- DIN 1986-100 (Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke): Ergänzende nationale Vorgaben, u. a. zu Rückstauschutz, Wartung und Inspektion.
- DWA-Regelwerk (z. B. DWA-A 118): Orientierung zur Regenwasserableitung und zur Bewertung von Starkregenbelastungen.
- Kommunale Satzungen/Anschlussbedingungen: Lokale Anforderungen an Einleitung, Rückhaltung (z. B. Zisterne/Versickerung) und Trennsysteme.
Für Eigentümerinnen und Eigentümer ist vor allem wichtig: Regenwasserleitungen und Rückstauschutz gelten nicht als „wartungsfrei“. Regelmäßige Sichtkontrollen, Reinigung von Einläufen und dokumentierbare Wartung reduzieren das Risiko, dass ein Starkregenereignis zum Wasserschaden wird.
Best Practices
- Dachrinnen, Einlaufkästen und Laubfänger saisonal kontrollieren (insbesondere nach Herbststürmen).
- Revisionsöffnungen und Übergänge prüfen: Sitzt ein Bogen locker, gibt es Rost, Risse oder Undichtigkeiten?
- Fallrohr reinigen, bevor Sie an der Grundleitung „herumdoktern“ – viele Engstellen entstehen im oberen Bereich durch Laub und Sedimente.
- Hofabläufe regelmäßig entschlammen; Sandfang und Geruchsverschluss wieder korrekt einsetzen.
- Bei wiederkehrendem Rückstau: Rückstauebene und bestehende Sicherungen prüfen lassen; geeignete Lösung nach Nutzung der Entwässerungsstellen wählen.
- Bei Verdacht auf Leitungsproblem im Erdreich: Kamerainspektion der Regenwasserleitung einplanen, um Einwuchs, Versatz oder Bruch eindeutig zu lokalisieren.
- Flächenentwässerung mitdenken: Gefälle der Pflasterflächen, Rinnenprofile und Aufkantungen so ausführen, dass Wasser nicht Richtung Haus drückt.
Frequent Errors
- Fehler: Nur den überlaufenden Gully reinigen und das Dachsystem ignorieren. Korrektur: Prüfen Sie die Kette von der Dachrinne bis zum Revisionsschacht, sonst bleibt die Ursache bestehen.
- Fehler: Fallrohr reinigen zu spät im Jahr, wenn bereits viel Material im Rohr steht. Korrektur: Legen Sie feste Wartungstermine fest (z. B. nach Laubfall und nach Winter).
- Fehler: Hochdruck „auf Verdacht“ in unbekannte Leitungswege geben. Korrektur: Erst Verlauf und Zustand klären (Revisionspunkte nutzen, ggf. Kamerabefahrung), dann fachgerecht reinigen.
- Fehler: Rückstauschutz als optional ansehen. Korrektur: Abläufe unterhalb der Rückstauebene bewerten und passende Sicherungslösungen wartbar ausführen.
- Fehler: Undichte Verbindungen im Erdreich „provisorisch“ abdichten. Korrektur: Schadstelle dauerhaft sanieren lassen, um Unterspülungen und wiederkehrende Ablagerungen zu vermeiden.
Compliance Checklist
- Rinnen und Einläufe frei von Laub/Moos; Laubfangkörbe sitzen korrekt.
- Fallrohr reinigen und dabei Bögen/Übergänge sowie Revisionsöffnungen mitprüfen.
- Hofabläufe: Rost intakt, Sandfang geleert, Geruchsverschluss sauber und richtig eingesetzt.
- Revisionsschacht zugänglich und optisch unauffällig (kein dauerhafter hoher Wasserstand, keine Ausspülungen).
- Keine Hinweise auf Setzung/Fehlgefälle (z. B. wiederkehrende Sedimentansammlungen an gleicher Stelle).
- Rückstausituation bewertet: Liegen Abläufe unterhalb der Rückstauebene, sind Schutz und Wartung geklärt.
- Bei wiederkehrendem Problem: Dokumentation der Maßnahmen und Termin für Kamerainspektion/Prüfung eingeplant.
Wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist
Wenn Überläufe trotz regelmäßiger Reinigung wiederkehren, mehrere Abläufe gleichzeitig betroffen sind oder Sie Anzeichen für Rückstau aus dem Kanal bemerken, lohnt sich der Blick eines Fachbetriebs. Eine Kamerainspektion zeigt, ob Wurzeln, Rohrbruch, Versatz oder ein dauerhafter Querschnittsverlust vorliegen. Danach kann gezielt gereinigt oder saniert werden – planbar und ohne unnötige Eingriffe.
Auch wenn Sie bereits alles im sichtbaren Bereich geprüft haben und Fallrohr reinigen keine dauerhafte Besserung bringt, ist die Ursache häufig im Erdreich oder in der Rückstausituation zu finden. In diesem Fall hilft eine strukturierte Diagnose (inklusive Revisionspunkten und Messung), damit Ihre Regenentwässerung bei Starkregen wieder zuverlässig funktioniert.